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Blut und Wasser im Cockpit: der wilde Ritt nach Poros

In der Nacht, noch auf Kea an der Pier, bläst der Wind stark aus Nordnordwest und drückt starken Schwell in den Hafen. Auch unsere Nachbarn, eine Dreier-Flottille, schauen sich das am Μοrgen an. Kann man bei starken Windböen von der Seite gefahrlos ablegen, ohne mit der Schraube auf die Ankerkette vom Nachbarboot gedrückt zu werden? Wir wagen es als erste und es klappt so gerade. Schon im Hafen ist die Dünung so stark, dass Gisela nicht auf dem Boot herumläuft, um die Fender reinzuholen. Erst einmal ein Stück raus motoren, um zu schauen, wie heftig es wirklich ist mit Wind und Dünung. Und es wird wirklich heftig. So durchgeschüttelt wurde Aglaya mit uns noch nie. Der Bug taucht immer wieder ins Wasser ein, das Wasser steigt bis zur Scheuerleiste und große Brecher machen uns im Cockpit nass und salzen das ganze Boot ein. Aber Aglaya schlägt sich tapfer, ist einfach eine starke Lady, und wir sind auch tapfer und ausdauernd, denn so eine heftige und chaotische Dünung über einen ganzen Tag haben wir noch nie erlebt.

Wir sind auf dem Weg nach Poros im Saronischen Golf, gut 40 Seemeilen, lange Strecke. Das Steuern ist kräftezehrend, alle halbe Stunde lösen wir uns ab. Einmal beim Wechsel am Ruder verletzt sich Walter seinen Fuß. Die Wundversorgung muss bis zum Abend warten.

Als es vor Kap Sounion kurz etwas ruhiger wird, ziehen wir den Besan auf und ein Stück der Fock raus. Aber dann werden Wind und Dünung wieder stärker und wir können den Kurs nicht halten. So motoren wir das letzte Stück direkt auf die Südseite von Poros zu, um dort die Segel zu bergen. 

Wir haben den Ritt nach Poros geschafft, zehn Stunden waren wir unterwegs. Windy hatte 25 Knoten Wind vorhergesagt, wir hatten beständig zwischen 35 und knapp 40. In Poros ist die ganze Pier belegt. So legen wir uns in der Bucht vor Anker, genießen die Ruhe und den schönen Blick auf den Ort. Am nächsten Morgen gibt es Platz, wir legen uns an die Pier, räumen auf und putzen. Morgen kommen Annegret und Andreas mit der Fähre von Athen. Da soll Aglaya wieder glänzen.

Bilder von unterwegs haben wir nicht. Wir haben jeder beide Hände gebraucht, um zu steuern, uns festzuhalten und die Segel zu bedienen. Aber einen schönen Blick von unserem Ankerplatz, den haben wir natürlich.

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