Springe zum Inhalt

2

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes Jahr 2021!

Das vergangene Jahr war ungewöhnlich und nicht einfach. Das haben nicht nur wir so erlebt und empfunden. Für viele, die wir kennen, war es ein Jahr mit ganz neuen Herausforderungen, mit Ungewissheiten und Sorgen, mit Einschränkungen und dem Verzicht auf schöne Vorhaben, die nicht realisiert werden konnten.

Im Rückblick können wir sagen, dass es uns sehr gut ergangen ist. Das erste Jahr, in dem wir beide in Rente sind, brachte uns gut vier Monate auf unserem Segelboot Aglaya in Griechenland. Zwar konnten wir nicht wie geplant Anfang April an Bord gehen, aber Anfang Juli waren wir da. Der Wechsel in ein neues Leben war in den ersten Wochen nicht nur wegen der großen Hitze anstrengend. So viel Neues, eine fremde Sprache, und unser Boot mussten wir auch erst einmal gründlich kennenlernen und Erfahrungen damit sammeln. Dabei haben wir nette und sehr hilfsbereite Menschen kennengelernt. Nun liegt eine erlebnisreiche, interessante und wunderbare Reise rund um den Peleponnes hinter uns. Dank der digitalen Möglichkeiten haben uns Freunde und Familien auch zumindest virtuell begleitet. Das war schön, denn aufgrund der Reisebeschränkungen konnte uns niemand an Bord besuchen. Wir wünschen uns sehr, dass dies im kommenden Jahr anders sein wird. Im März wollen wir wieder an Bord.

Wir hoffen, dass wir in der Zeit, die wir nun in Deutschland sind, unsere Familien und viele unserer Freunde  wiedersehen können. Unseren „Landanker“ in Heidelberg wollen wir auch im kommenden Jahr nicht einholen, denn wir sind auch sehr gerne in unserem „alten“ Zuhause.

Nun geht‘s für uns und für Aglaya in die Winterpause. Alles unter und an Deck haben wir gut verstaut und versorgt. Unser Boot ist gut mit Leinen gesichert, denn trotz dem meisten milden Winterwetters gibt es auch ab und zu Starkwind und kräftigen Regen. Am letzten Tag vor unserer Heimreise nach Heidelberg haben wir das große Wintercover aufgezogen und befestigt.

Unsere Nachbarn, die auf ihren Booten überwintern, werden ein Auge auf Aglaya haben. Da können wir uns gut verabschieden und die Heimreise antreten. Dass wir am Tag unmittelbar vor dem landesweiten Corona-Lockdown in Griechenland fahren, ist eher ein Zufall, aber für uns ein Glück. Die Fähre bringt uns von Patras nach Ancona.

Dann geht‘s mit dem Auto durch Nacht und Nebel non-stop durch Italien und die Schweiz. Die Straßen sind leer. So kommen wir gut durch und sind am 8.11. früh am Morgen wieder in unserem anderen zu Hause. Hier ist es auch schön! Aber wir freuen uns schon darauf, im nächsten Frühjahr wieder an Bord zu gehen.

Im letzten Jahr waren wir schon einmal mit Beatrix und Peter bei der antiken Schiffswerft auf der  Halbinsel westlich von dem Lagunen-Ort Aitoliko. Wir fahren noch einmal dorthin, denn Oinádái war eine ganze antike Stadt mit einem Amphitheater und einer Stadtmauer. Das schauen wir uns noch einmal ausführlich an und entdecken dabei auch Interessantes in der Fauna, so zum Beispiel Eichen, deren Eicheln bis zu viermal so groß sind, wie wir sie aus Deutschland kennen. Und wir sind einmal wieder ganz alleine in dem Gelände unterwegs.

Da wir uns auch dieses Mal die Frage stellen, wo denn der Zugang der antiken Werft zum Meer war, fahren wir weiter auf holperigen Straßen entlang von Bewässerungskanälen bis zur Küste an der Bucht von Petala. Wir fahren durch eine auf den ersten Blick verlassene Landschaft. Aber beim näheren Hinsehen, können wir erkennen, dass hier sehr wohl Menschen leben, die das Land bewirtschaften, z.B. mit dem Anbau von Gemüse und Baumwolle (!). Baumwolle braucht viel Wasser. Deswegen sind wir erstaunt, dass ausgerechnet in einer Region, in der in der warmen Jahreszeit eher Wassermangel herrscht, Baumwolle angebaut wird. Griechenland war bis vor wenigen Jahren unter den den ersten zehn größten Baumwollproduzenten weltweit, so lesen wir es im Internet nach. Die Flüsse aus den Bergen (hier der Fluss Acheloos) haben bisher wohl immer genug Wasser gebracht. Und es gibt ein ausgefuchstes Bewässerungssystem, das auch heute noch funktioniert. Ob der Rückgang der Produktion eher mit der Krise oder mit dem Klimawandel zu tun hat, oder mit der Globalisierung, konnten wir nicht feststellen. Vermutlich wird wohl die Globalisierung ein wesentlicher Faktor sein.

An der Bucht von Petala kommen wir dann ans Meer. Wir sehen Holzhäuser, kein Mensch ist zu sehen, alles sieht sehr ärmlich aus. Aber die Häuser sind bewohnt. Wovon leben die Menschen hier? Vermutlich nicht vom Fischfang, denn wir sehen keine Fischerboote. Aber es gibt Verschläge mit Ziegen und Schafen und an einer Stelle sogar Kühen. Alle Tiere sind sehr mager, nicht wie bei uns auf den Weiden. Der Autor Petros Makaris schreibt in seinen Essays davon, dass es in Griechenland vor der Beitritt zur EWG/EU eine „Kultur der Armut“ gab. Viele Menschen waren arm, aber sie schafften es in Armut in Würde zu leben. Das hat sich geändert, die Ansprüche sind gestiegen und viele leben auf Pump, so schreibt er. Aber hier in dieser auf den ersten Blick verlassenen Region gibt es diese „Kultur“ vielleicht noch. Wir sind beeindruckt und berührt.

Der Peleponnes lässt uns nicht los. Ein Stück entlang des Golfs von Korinth fahren wir mit dem Auto nach Diakopto. Von dort fährt eine Schmalspurbahn (teilweise als Zahnradbahn) durch eine spektakuläre Schlucht 23 Kilometer hinauf in die Berge bis nach Kálávryta. Leider müssen wir feststellen, dass alle Fahrten für diesen Tag ausgebucht sind. Daher fahren wir mit dem Auto durch eine spektakuläre Berglandschaft Richtung Kálávryta bis zum Kloster Mega Spileon.

Das Kloster ist an den senkrechten Fels gebaut. 1943 brannten es die deutschen Nazis nieder, aus Rache, weil es den Partisanen der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS gelungen war 81 deutsche Wehrmachtsangehörige gefangen zu nehmen. Diese sollten gegen griechische Freiheitskämpfer ausgetauscht werden.  Das gelang aber nicht. Im Kloster starben 17 Kinder und Mönche im Alter von 14 bis 88 Jahren. Eine Gedenktafel nennt ihre Namen und ihr Alter. Auch in Kálávryta wüteten die Nazis. Sie trieben alle 1300 Einwohner zusammen, töteten alle Männer, plünderten die Häuser und setzten sie in Brand. Diese Taten sind bis heute nicht gesühnt!

Die Strecke der Schmalspurbahn unten in der Schlucht können wir immer wieder von oben sehen. Wer gerne wandert, fährt mit der Bahn bis zur Mittelstation und läuft dann entlang der Gleise in dreieinhalb Stunden wieder hinunter. Dabei geht es auch durch Tunnel und über ausgesetzte Brücken. Da ist Schwindelfreiheit gefragt. Wir hätten das gerne gemacht. Aber die Tour mit dem Auto war auch sehr beeindruckend.

Den 916 Meter hohen Varasova sehen wir von unserem derzeitigen Liegeplatz in Messolonghi jeden Tag - bei unterschiedlichem Wetter und Licht. Abends bei Sonnenuntergang zeigt er sich oft in Rot - Alpenglühen also.

Da wir ja nicht nur Segler, sondern auch begeisterte Bergwanderer sind, machen wir uns von seinem Fuß aus auf den Weg, steil hinauf 400 Höhenmeter auf ungefähr halbe Höhe. Ab dort geht es dann in den steilen Fels. Das ist nur etwas für versierte Kletterer. Die sind wir nicht. Unser Ziel ist eine kleine Kapelle. Von dort haben wir einen weiten Blick über den Golf von Patras und die Ebene um Messolonghi. Hier oben fühlen wir uns ein bißchen wie auf einer Alm im Allgäu. Überall blühen Herbstzeitlose in Violett und Weiß, Alpenveilchen und viele andere Blumen. Ein Blumenmeer, wunderschön anzuschauen nach den trockenen Sommermonaten. Nach dem Abstieg haben wir uns dann am Fuß des Felsens in Kryoneri ein kühles Bier gegönnt.

Viele Segler lassen ihr Boot im Winter in den Marinas in Prevezza. Das wollen wir uns mal anschauen und mit einem Besuch beim Segelmacher verbinden, der uns über den Winter eine neue Genua machen wird. Die neue Autobahn nach Lefkada ist noch nicht fertig. Also fahren wir viel Landstraße (mit vielen Schlaglöchern), aber mit herrlichen Ausblicken auf den Ambrakischen Golf. Besonders gut gefallen hat und das kleine Städtchen Vonitsa mit seinem Hafen und der über dem Ort gelegenen Festung.

In den Marinas von Prevezza gibt es jeden Service und viele Stellplätze an Land. Im Vergleich zur familiären, idyllischen und ruhigen Marina in Messolonghi, die allerdings zurzeit keine Lizenz für Arbeiten an den Booten hat, ist hier alles groß und eher unpersönlich. Beim Segelmacher lassen wir unsere alte Genua - sozusagen als Vorlage. Aber er ist dann trotzdem noch extra nach Messolonghi gekommen, um unser Boot genau auszumessen. Im Frühjahr wird dann Aglayas Segelkleid komplett neu sein.