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Kühlung und Turbo ausgebaut

Erst die um fast drei Monate verzögerte Anreise zum Boot wegen Corona, dann nach einem Monat die Rückreise nach Heidelberg, damit Walters Herz die notwendige Behandlung erhält, und nun nach dem zweimonatigen Intermezzo zu Hause wieder an Bord. Erst einmal wieder Warten auf den ersehnten Mechaniker für unsere Motorkühlung. Nun war er da und hat das Kühlsystem aufgeschraubt. Korrosion! Und die nicht zu knapp. Und der Turbo funktioniert nicht mehr. Nun hat er alle betroffenen Teile abgeschraubt und mit nach Patras genommen. Gestern haben wir erfahren, dass nicht alle Teile repariert werden können. Also brauchen wir auch neue Teile. Aber woher bekommen? Unser Nanni Turbo Diesel ist in Griechenland nicht oft zu finden und eine Vertretung bzw. einen Ausstatter für Nanni gibt es nicht. Die Teile müssen - wo auch immer - bestellt werden. Und das kann dauern, bis zu einem Monat, sagt uns der Mechaniker. Mal abgesehen von der Belastung für unseren Geldbeutel müssen wir nun endgültig unseren Plan aufgeben, gegen Ende September in Poros zu sein, um Michelle und Florin an Bord zu nehmen. Wir können ihnen für den geplanten Zeitraum nur ein „Hausboot“ bieten. 😢

Zum Glück sind wir hier in Messolonghi an einem schönen, angenehmen Ort. Hier kennen wir einige Leute. Inzwischen sind wir ja auch mit unseren Fahrrädern mobil. Und wir haben immer wieder schöne Ausblicke von unserem Boot aus (auf dem Foto z.B. der Sonnenaufgang). 

Also heißt es für uns: warten, das Boot pflegen, uns pflegen und zuversichtlich bleiben, dass wir in diesem Jahr noch zum Segeln kommen.

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Foto: CFalk/pixelio.de

Mikis Theodorakis und seine Lieder haben uns ein ganzes Stück in unserer Studentenzeit begleitet, deshalb haben wir die Nachricht von seinem Tod mit großer Trauer aufgenommen. Er starb mit 96 und wird in der Nähe von Chania, Kreta, beigesetzt.

Mikis war nicht nur ein Komponist, er war ein Kämpfer für Freiheit und soziale Gerechtigkeit, schon im Widerstand gegen die Nazis. Später, in den 1960er bis Mitte der siebziger Jahre, gab es in Europa noch Militärdiktaturen mit Zuständen wie heute in Belarus, wer weiß das noch? In Griechenland Papadopoulos, in Portugal Salazar, in Spanien Franco. Mikis Theodorakis bekämpfte die Militärdiktatur in seinem Land aktiv, politisch – und mit Liedern, dafür ging er ins Gefängnis und wurde gefoltert, unter den Nazis und auch später in den Sechzigern. Seine Lieder waren im politischen Westdeutschland der Studentenbewegung und auch später sehr populär, wir haben sie in den Siebzigern alle gehört.

Weltberühmt wurde er schon 1964 mit der Filmmusik zu „Zorba the Greek“, bei uns „Alexis Sorbas“, dazu tanzten im Film Anthony Quinn und Alan Bates - Sirtaki. Die weibliche Hauptrolle: Irene Papas. Der Film verkörpert eindrucksvoll das griechische Lebensgefühl. Mikis schrieb aber auch die Musik für politische Filme, die sich gegen Militärdiktaturen richten, „Z“ und „Phaedra“.

Er schrieb über 2000 Stücke, sogar einige davon Opern, die heute noch gespielt werden.

Er und seine Musik waren damals Teil unserer politischen Kultur, dafür sind wir ihm heute noch dankbar. 

Nun sind wir auch an Land mobil. Das passt gut, denn wir warten immer noch auf den Mechaniker aus Patras zur Reparatur unserer Kühlung.😒 Zwei Klappfahrräder gehören jetzt zu unserer Ausrüstung, die immer an Bord dabei ist. In Messolonghi bei Houtas Bike haben wir sie bestellt, nach drei Tagen waren sie da, kosten deutlich weniger als in Deutschland. Es sind keine E-Bikes.😂 Der Service in diesem Fahrradladen ist toll, das konnten wir beobachten als unsere Fahrräder zusammen geschraubt wurden. Falls also mal jemand nach Messolonghi kommt und ein Fahrrad braucht … 

Nun sind wir schnell zum Einkaufen in der Stadt und können Ausflüge machen. Das ist gerade  in dieser Wartezeit besonders gut und hebt die Stimmung. Inzwischen sind wir schon an der Lagune entlang gefahren und haben nach den Wasservögeln Ausschau gehalten. Gestern waren wir in Tourlida am Golf von Patras. Da kann man nicht nur schön baden und auf den Peleponnes schauen. Es gibt auch ein nettes Restaurant, in dem man gut Fisch und Muscheln essen kann. 

Mobil an Land ist schön. Trotzdem hoffen wir, dass wir ganz bald auch wieder mobil auf See unterwegs sein können, insbesondere unter Segeln.

Seit dem 24. August sind wir wieder an Bord. Walters kleine Herz-OP hat das erhoffte Ergebnis gebracht: kein Vorhofflimmern mehr. Toi, toi, toi, dass es so bleibt! Also war es eine gute Entscheidung, Ende Juni erst einmal nach Hause zu fliegen. Und noch aus einem anderen Grund waren wir froh, die letzten beiden Monate in Heidelberg zu sein. So haben wir die extreme Hitze und die vielen Brände in Griechenland nicht miterlebt. Zum Glück war die Region um Messolonghi nicht von Feuern betroffen.

Nun gibt es noch ein paar Arbeiten an Bord zu erledigen. So haben wir zum Beispiel versucht, ein Vogelnest aus dem Großbaum zu entfernen. Das erklärte auch, warum wir das Cockpit trotz Schutzcover total vollgeschissen vorgefunden hatten. Der Nachwuchs war zum Glück schon ausgeflogen, als wir das Nest entdeckt haben. Ganz haben wir es nicht aus dem Großbaum herausbekommen. Der Rest wird uns dann vielleicht beim Segeln um die Ohren fliegen.

Lossegeln können wir leider noch nicht sofort, denn die Kühlung unseres Motors muss ja noch repariert werden. Im Mai, als wir dies festgestellt hatten und wussten, dass wir das nicht alleine hinbekommen, hatte der uns empfohlene Mechaniker aus Patras wochenlang keine Zeit. Zumindest hat er sich den Schaden schon mal angesehen und uns nun für das kommende Wochenende zugesagt. Wir hoffen fest auf ihn.

Und was machen wir sonst noch so? Schwätzchen mit anderen Seglern halten, direkt von Bord aus Schwimmen gehen, die abkühlenden Temperaturen am Abend genießen, aus dem Cockpit in den Sternenhimmel schauen …

Am 19. Juni sind wir von Preveza/ Lefkas aus nach Frankfurt/M geflogen, dann mit dem Zug nach Heidelberg. Eigentlich hatten wir ja schon öfters überlegt, ob wir der besonders heißen Zeit in Griechenland im Juli und August nicht besser entfliehen. Das passte jetzt: Walters Vorhofflimmern hat sich nicht verbessert, und wir wollten nicht riskieren, den kleinen, jetzt notwendigen Eingriff, bis in den November rauszuschieben. 

Witzig ist natürlich, dass es in Heidelberg zurzeit heißer (und schwül) ist als in Griechenland, 28 Grad und ein frischer Wind vom Meer…….in Heidelberg 35. Aber wir wissen ja, dass die Hitze in Griechenland erst noch kommt. 

Unsere Stegnachbarn (aus Heidelberg! Die Welt ist ein Dorf!) mussten auch nach Preveza und so konnten wir dankenswerterweise bequem in ihrem Auto mitfahren, 100km durch diese unglaublich wilde und schöne Küstenlandschaft am Rand des Ionischen Meeres. Ein ganzer Flughafen voller Segler: Preveza bedient (bis auf Korfu) die ganzen Ionischen Inseln, hier gibt es auch sehr viele Charterfirmen und tausende von Booten.

Jetzt sind wir wieder hier - wir werden den Sommer genießen, Ausflüge machen, Freunde besuchen, was ja bei Corona lange nicht mehr so möglich war, gemütlich im Biergarten sitzen - und Ende August/Anfang September werden wir wieder aufbrechen, dann von Messolonghi aus voraussichtlich Richtung Kreta …

Neues Vorsegel angeschlagen

Viele unserer Freunde haben uns einen schönen Urlaub gewünscht, als wir Ende Mai wieder zu unserem Boot nach Griechenland gefahren sind. In den vielen Jahren, die wir auf Charterbooten gesegelt sind, hat das gut gepasst. Beim Chartern übernimmt man für einen kurzen Zeitraum ein bestenfalls gut gewartetes Boot. Meist fehlt es zwar an Werkzeug und die Pantry ist fürs richtige Kochen und Backen minimal ausgestattet. Aber ansonsten ist alles so, dass der Törn beginnen kann. 

Bootseigner sein ist etwas völlig anderes. Das lernen wir gerade. Wir sind keine Mechaniker, Elektriker, Gas-Wasser-Installateure oder Metallbauer. So haben wir das Gefühl, wir sind gerade am Ende des ersten Lehrjahres. Letztes Jahr war das Hauptthema die Elektrik, dieses Jahr ist es der Motor. Danach kommen das Unterwasserschiff und die Seeventile, die wahrscheinlich erneuert werden müssen. Mit den Segeln und dem Rigg kennen wir uns aus unseren vielen Segeljahren am besten aus. Aber auch da gibt es bootsspezifische Details, die wir in diesem Jahr kennengelernt haben. Man muss sich also mit allen Systemen im Boot vertraut machen.

Für den Winter gilt es, einen guten Liegeplatz zu finden. Wo kann das Boot mal an Land? Können wir dort dann selbst am Boot arbeiten? Was können wir uns selbst zutrauen? Wo bekommen wir fachliche Unterstützung und einen guten Service? Besonders beim Auswintern und Einwintern sind jedesmal Wartungsarbeiten erforderlich und alles an Bord will gepflegt werden. Dabei wollen wir aber darauf achten, dass wir uns selbst auch pflegen und es uns gut gehen lassen. 

Von anderen Bootseignern haben wir schon viele guteTipps bekommen. Alle sind sehr hilfsbereit. Aber jeder hat seine eigene Herangehensweise.

Eigner sein ist also auch mit Arbeit verbunden, ist kein Dauerurlaub. Manchmal haben wir auch die Sorge, ob wir alles richtig machen. Wir lernen ganz viel und das in der Rente. Das ist oft anstrengend, aber auch schön. Denn wir haben ja Zeit. Σιγά-σιγά - wie man in Griechenland sagt. Und wir sind nicht allein.

Das Werkzeug gut sortiert
Die Fender bekommen „Kleidchen“
Tauchgang, um das Unterwasserschiff zu begutachten

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Geschafft! Dank unserer Impfpässe mit je zwei dokumentierten Impfungen gegen Corona verlief unsere Reise zum Boot ohne Probleme. Mit dem Zug durch Österreich und Italien bis nach Ancona, dann auf die Fähre nach Patras und nach 23 Stunden wieder auf griechischem Boden. Der kleine Rest dann mit dem Taxi, denn unsere großen Reisetaschen waren megaschwer, vollgepackt mit einem Verstärker fürs Musikmachen, einer neuen Lampe für den Salon, die wir mit unseren Freunden Gabi und Uwe in Hamburg gekauft hatten, eine kleine gerahmte Radierung mit einer Ansicht von Heidelberg, und noch dies und das, inklusive Material für Dusche und die Gasversorgung. 

Jeder Bootseigner, der nach der Winterpause zum ersten Mal wieder zu seinem Boot kommt, wird schon eine Weile vorher unruhig. Ist das Boot gut festgemacht gewesen? Hat der Wind die Winterplane zerfetzt? Ist es unter Deck trocken oder ist irgendwo Feuchtigkeit hineingekommen? Haben die Batterien sich tief entladen? Das wäre ganz schlecht. Und wie geht’s dem Motor? Alles gut auf unserem Boot. Die Winterplane hat gehalten, die Batterien sind dank der Solarpaneelen zu 100% geladen, alles ist trocken. Braves Boot, unsere Aglaya! Aber putzen müssen wir, denn zum Einen hat der Südwind roten Staub aus der Sahara überall auf und unter der Plane verteilt. Und ein paar kleine Vögel haben unter der Plane ihren Nachwuchs bekommen und großgezogen.

Zum Empfang gab’s an unserem ersten Abend einen wunderschönen großen Vollmond über den Bergen des Peleponnes und ein großes Bier in der Marina-Bar. Welcome! So wurden wir dort begrüßt. Schön, alle wiederrzusehen, die wir vom letzten Jahr kennen!

Bevor wir losfahren, gibt’s In den nächsten Tagen außer Putzen noch einiges zu tun: Motor-Check, neues Vorsegel in Prevezza abholen, alle Segel anschlagen (die liegen ja im Winter zusammen gefaltet unter Deck), ein paar Leinen erneuern ... Wir gehen es langsam an und nehmen den Satz von Mimi, dem Chef der Marina-Bar ernst: “Relax, you are in Greece.”