
Noch auf Thassos warten wir auf den passenden Wind, um nach Südwesten segeln zu können. Aber er kommt nicht. Im Gegenteil - es wir immer ruhiger. So entscheiden wir uns, den großen Schlag von 58 Seemeilen nach Chalkidike an die Südspitze des mittleren Fingers unter Motor zu machen.
Um kurz vor sieben geht es los, bei spiegelglatter See, ohne Dünung 30 Seemeilen immer auf den Berg Athos zu. Je näher wir kommen, desto beeindruckender ragt er vor uns auf. Wir sehen in den steilen Felsrinnen noch viele kleine Schneefelder und dann auch die vielen Klöster an den Felshängen. Anlegen oder ankern darf man hier nicht.
Wir passieren die Südspitze und nehmen dann Kurs auf die Südspitze von Sithonía, den mittleren Finger. Nachmittags um vier Uhr fahren wir in die Bucht von Porto Koufo ein. Wir kennen sie schon gut aus dem letzten Herbst. Die kleine Pier ist frei, also legen wir uns dort längsseits. Sehr angenehm. Aber dann informiert uns ein Einheimischer, dass sehr wahrscheinlich am Abend große Trawler kommen werden, um hier Fisch anzulanden. Denen wollen wir nicht in die Quere kommen. Also ankern wir in der Bucht. Eigentlich ist das viel schöner. Und tatsächlich: Bei einbrechender Dunkelheit kommt ein großerTrawler nach dem anderen. Wir zählen mindestens acht. Sie passen gar nicht alle an die Pier, müssen in der Bucht kreiseln bis wieder ein Platz frei wird. Am Morgen sind alle wieder weg.
Wir bleiben noch einen Tag, warten wieder auf den passenden Wind, legen uns tagsüber nochmal an die Pier und am Abend wieder vor Anker. Es könnten ja wieder Trawler kommen.
Aber dann geht‘s weiter nach Süden in die Nördlichen Sporaden nach Steni Vala auf der Insel Alonissos. Wieder ein recht langer Schlag. Und unterwegs immer wieder Delphine - viele kleine, aber auch große. Manche begleiten uns ein Stück, vielleicht in der Hoffnung, dass wir ihnen einen Fisch herüber werfen, oder einfach aus Spaß.
Steni Vala ist eine kleine enge Bucht mit einer Pier. Im Jahr 2022 waren wir hier schon einmal mit unseren Freunden Andrea und Axel. Wir hatten es als idyllisch und gemütlich in Erinnerung. Und so ist es auch dieses Mal wieder. Der Inhaber vom Café Icarus hilft uns beim Anlegen und reicht uns dann eine lange Planke, da wir wegen der Steine direkt an der Pier mit unserem Heck nicht ganz nah heranfahren können. Nach einem kleinen Gewittersturm am Abend haben schlafen wir ruhig wie in Abrahams Schoß.
Der nächste Tag bringt uns wieder gut 40 Seemeilen weiter nach Süden zur Insel Skyros. Erst gar kein Wind mit Gewitterstimmung und dann gleich 25 Knoten stehen heute auf dem Wetterprogramm.

In Linaria, dem kleinen Fährhafen von Skyros machen wir ganz komfortabel an einer Muring fest. Der Hafenmeister erinnert sich, dass wir vor vier Jahren schon einmal für ein paar Tage hier waren und auf drei neue Servicebatterien gewartet hatten, die mit Bus und Fähre von Athen geliefert wurden. In dieser Zeit hatten wir die wunderschöne Insel mit Leihwagen und zu Fuß erkundet. Dieses Mal wollen wir nur zwei Nächte bleiben und einfach nur einen Ruhetag einlegen - und natürlich das Spektakel noch einmal erleben, wenn die Fähre abends einläuft und im Hafen „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß (gespielt von Eumir Deodato) erschallt.


























