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Nach vier Besuchen (= 4 Tage mit 3 Personen incl. Samstag und Sonntag) hat es geklappt: Der viel zu kleine Travellift hat uns auf Land gehoben. Aglaya steht hoch und trocken - ein Logenplatz über der Marina von Kalamata. Kein Schaukeln mehr. Aber das ist das Problem: ein total blödes Gefühl, denn das Gleichgewichtsorgan und das Körpergefühl gleichen die kleinen Bootsbewegungen aus, wenn man sich an Bord bewegt oder wenn es Welle gibt. Und jetzt nichts mehr. Aber das Gefühl, dass es schaukelt, bleibt. Erst recht, wenn man auf die Boote sieht, die im Wasser schaukeln……..

Ein paar Tage Arbeit am Boot für das Einwintern, und ein Auftrag für den Service, und im Winterhalbjahr wird der Rumpf grundlegend überholt und neues Antifouling (gegen Bewuchs) aufgebracht. 

Noch einige Reinigungs- und Pflegearbeiten, dann wird im März noch Ölwechsel gemacht und Kühlflüssigkeit ausgetauscht - dann kann die Saison 2022 losgehen. 

Aber jetzt erstmal 3 Stunden mit dem Bus durch die wilde Peloponnes-Halbinsel und über den (immer noch gesperrten) Kanal von Korinth nach Athen. Dort eine Nacht im Hotel, natürlich mit vorherigem langen Rundgang über die spektakuläre Akropolis und in die chaotisch verwinkelte Altstadt Plaka - dann am 8. November geht der Flieger ins kalte trübe Deutschland - nach Hause zu Freunden, Chor, Band……darauf freuen wir uns.

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In der Marina von Kalamata festgemacht

…..zweitens, als man denkt…….abends in Finikunda gingen wir dem Dieselgeruch nach, der seit dem Tanken in Pylos immer noch leicht zu spüren war. Der Schock: Auf dem Tank stand etwas Diesel, aber in der Bilge schwappte es richtig. Wie sich später herausstellte, war das Wasser, aber das wussten wir noch nicht. Deshalb haben wir kurzerhand unsere Pläne geändert: Mit Wasser im Boot und Diesel über die Ägäis? Bei heftigen Winden? Nein, das ging nicht. Die nächste Marina (es ging ja auch um einen Winterliegeplatz auf Land) von Finikunda aus ist Kalamata, am Nordende einer Bucht im Messenischen Golf, letztes Jahr lagen wir eine Woche dort. 

Nach 6 Stunden, wieder ohne Wind, wieder mit Motor, machten wir in Kalamata fest. Das Wasser wurde abgepumpt - 120 Liter! Im Marina-Büro checken, ob es einen Winter-Land-Liegeplatz gibt und was der kostet, checken, wie es mit Kran aussieht für einen Zweimaster mit 16 Tonnen - das stellte sich als mittlere Katastrophe heraus. 

Damit das Boot in den Travelift passt (der veraltet und zu klein ist), mussten beide Vorstage (die den Mast nach vorne abspannen und ihm Stabilität geben) abgebaut werden, was in Etappen mehrere Tage in Anspruch nahm, weil die Stage seit Jahren nicht bewegt worden waren. Die Spannschlösser - Bronze auf Edelstahl - waren einfach fest. Mit drei Mann mit schwerem Werkzeug und viel Kraft, auch mit Erhitzen, gingen sie endlich am dritten Tag auf. Nun steht dem Landgang von Aglya nichts mehr im Weg. Nur müssen wir noch einen Schlechtwettertag abwarten, da zu viel Schwell im Hafen ist. Im Warten sind wir ja inzwischen sehr geübt.

Finikunda

Nach zwei Nächten vor Anker konnten wir in Pylos endlich an die Hafenpier, um Wasser und Diesel zu bunkern und Lebensmittel einzukaufen. Dialog mit der resoluten Blondine beim Aufschliessen der Wasserversorgung: „Hello, are you the Water-Lady?“ „No, I am not the Water-Lady. I am the Harbour-Master“.

Dabei konnten wir längsseits anlegen üben, denn wir mussten uns dreimal verlegen, bis wir alles zusammen hatten. Pylos ist im Vergleich zu unserem Besuch im Sommer 2020 sehr lebendig. Wegen Corona waren im letzten Jahr viele Geschäfte geschlossen.

Bei schwachem Wind ging’s dann um die Südwestspitze des Peloponnes. Dabei konnten wir die beeindruckende venezianisch-osmanische Festung Methoni bewundern. Hier kann man auch schön ankern, aber wir entschieden uns für Finikunda, einen kleinen Ort mit Hafen etwas weiter östlich. Im Hafenguide steht, dass man dort - wenn Platz ist - an einer kleinen Pier festmachen kann. Als wir vorsichtig den Bug in den kleinen Hafen steckten, stellten wir fest, dass der Hafen voll von kleinen Booten war und sowieso für eine Yacht von unserer Länge nicht zum Anlegen geeignet ist. Was so alles in den Hafenguides steht. Darin haben wir immer wieder mal Angaben gefunden, die überhaupt nicht mit unserer Einschätzung überein stimmten.

Also wieder ankern. In solch einer schönen Bucht mit guten Ankergrund fällt das nicht schwer. Eine schöne Szenerie, ein weiter Blick, tolle Farben beim Sonnenuntergang und eine ruhige Nacht. Was will man mehr?

Navarino ist die größte geschützte Ankerbucht Griechenlands, viermal fünf Seemeilen groß, im Osten von Hügeln und im Westen von bizarren Felsen umgeben. Im Peloponnesischen Krieg 425 v. Chr. schlug die Flotte der Athener die Spartiaten. Von dieser Schlacht ist nicht sehr viel überliefert, sie kann auch vor der Bucht stattgefunden haben. Wichtiger und auch heute noch bedeutend ist die zweite Seeschlacht: Am 20. Oktober 1827 schlug eine englisch-französisch-russische Flotte die türkisch-ägyptische. Damit wurden die Osmanen aus Griechenland endgültig vertrieben: der Beginn der griechischen Unabhängigkeit.

Am 194. Jahrestag dieser Schlacht lagen wir mitten in der Bucht vor Anker und konnten die Feierlichkeiten mit Musik, Lasershow und Feuerwerk beobachten.

Nach zermürbendem Warten, unterbrochen nur durch unseren netten Besuch an Bord und an Land, läuft der Motor wieder, dank „unserem“ professionellen hervorragenden Mechaniker Dimitris aus Patras. Bevor wir loskonnten, mussten wir aber noch einen Sturm (54 Knoten, entspricht 10 Windstärken!) abwettern. Er richtete erhebliche Schäden an den Stegen der Fischer und auch in der Marina an. 

Sonntag ging’s dann los, Richtung Süden. Mittlerweile sind wir schon über 100 Seemeilen weiter und nähern uns der westlichen Südspitze der Peloponnes, wo wir dann hoffentlich mit dem nach Osten abbiegen können und um die Kaps Tenaro und Maleas in die Ägäis zu segeln. Ziel: Die Insel Leros vor der türkischen Küste, etwas nordwestlich von Rhodos. Dort haben wir einen Winterliegeplatz an Land. 

Florin (Giselas Neffe) und seine Freundin Michelle haben uns an Bord besucht, für 10 Tage. Für diese Zeit hatten sie einen Leihwagen, was sehr praktisch war, denn wir konnten ja nicht segeln, der Motor ist noch nicht fertig.

Also machten wir in der Region viele schöne Landausflüge, es gibt ja wirklich genug Interessantes zu sehen.

Oiniades, die antike Stadt mit riesiger Stadtmauer, Theater, Agora und – wohl einmalig – einer antiken Schiffswerft, liegt heute einige Kilometer von der Küste entfernt, der Wasserstand des Meeres lag in der Antike über 10m höher. Die Stadt liegt im Delta des Acheloos-Flusses, der für die große Fruchtbarkeit dieses Gebietes mit verantwortlich ist: Gemüse, Obst, Oliven, Wein, Baumwolle und vieles mehr werden hier angebaut. Kurz vor der Mündung in einer paradiesischen Wasserlandschaft kleine sehr arm wirkende Fischerdörfer am Rand der großen Petala-Bucht, die ein beliebter und sehr geschützter Platz für Segler zum Ankern ist.

Astakos liegt am Ionischen Meer, von Messolonghi geht es eine Stunde durch eine wilde Landschaft. Ein idyllischer kleiner Hafen, von dem aus Fähren nach Kefalonia und zur Odysseus-Insel Ithaka abgehen. Und eine wunderschöne Küste mit Felsen und kleinen feinen Kiesstränden, glasklarem türkisblauem Wasser in den Buchten.

Tourlida ist der Strand von Messolonghi, hier waren wir öfter, auch abends zum Essen, man hat direkt den Golf von Patras vor sich, mit Sandstrand und schönem Ausblick, innen kann man den Salzabbau in der Lagune und das Salzmuseum besichtigen.

Kryoneri, ein kleines Fischerdorf, liegt am Fuß unseres Hausberges, des Varasova. Kurz davor der zweite Fluss, der das Land so fruchtbar macht: Der Evinos. In Kryoneri fällt der Varasova mit gewaltigen Felswänden senkrecht ins Meer ab, das direkt davor aber sehr flach ist, ein schöner Badestrand – wenn es gerade nicht stürmt, wie bei unserem Besuch.

Eine gigantische Felslandschaft haben wir auf dem Peloponnes erlebt, auf der Fahrt mit einer Zahnradbahn von Diakopto, östlich Patras, ins Gebirge. Eine Schmalspurbahn, steile Schluchten, teilweise durch Canyons, in denen es links senkrechte Felswände hinunter geht, direkt neben den Gleisen, und rechts senkrechte Felswände hoch, unglaublich beeindruckend. Oben in Kalavryta, auch beeindruckend, aber leider ganz anders: Hier haben die Nazis im Dezember 1943 alle 511 männlichen Einwohner des Dorfes ermordet, im Partisanenkrieg. Eine Tafel erinnert an insgesamt 104 Orte in Griechenland, in denen die Wehrmacht Massaker begangen hat. Die Kirchturmuhr steht seit diesem Tag auf halb drei, als das Massaker stattfand.

Heute ist Kalavryta Ausgangspunkt für ein wenige Kilometer entferntes Skigebiet.

Und hier noch ein Video von unserer Fahrt mit der Schmalspurbahn.

Nicht nur unser Besuch, auch wir haben viele schöne alte und neue Plätze kennengelernt und wieder viel über diese wunderschöne und interessante Region erfahren. Jetzt gewöhnen wir uns wieder daran, zu zweit auf unserem Boot zu leben.

Das alte Plevrona, auch Pleuron, lag auf einem Hügel etwas nordwestlich von Messolonghi, im Gebiet Ätolioarkanien, einer Region, die schon in der Antike große Bedeutung hatte. Der Name rührt von Pleuron her, dem Sohn des Aitolos, der der Region ihren Namen gab. In der Ilias wird erwähnt, dass die Stadt für den trojanischen Krieg 40 Schiffe stellte. (7./8. vorchristliches Jahrhundert, mykenische Zeit). Plevrona hatte auch unten an der Lagune einen Hafen mit eigenen Befestigungen.

Die Region Ätolien-Arkanien ist vielen nicht bekannt, obwohl sie eine Menge bedeutender antiker Stätten aufweist, unter anderem die Stadt Oiniades mit einer riesigen Stadtmauer, einer unglaublich gut erhaltenen antiken Schiffswerft und einem schönen Theater.

Es haben sich Initiativen gebildet, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese (und auch neuere) Kulturschätze und lokale Eigenheiten einem breiteren Publikum bekannt zu machen und ökologisch-nachhaltig orientiert dafür zu werben, beispielsweise „Messolonghi by locals“ (www.messolonghibylocals.com) . Sie stellen auch Guides, die die antiken Stätten mit großer Kompetenz, Wissen und breitem Horizont zeigen und Rundgänge organisieren.

Das alte Plevrona wurde zerstört und auf einem Hügel nördlich davon in einem wesentlich größeren Umfang im dritten vorchristlichen Jahrhundert neu aufgebaut, hier lebten 10.000 Menschen – das heute so berühmte Mykene war auch nicht viel größer.

Die Stadtmauer aus riesigen quaderförmigen Steinen ist 2km lang und hat 11 Tore und 36 quadratische Türme. Der Stadtplan mit Theater, Tempelanlagen, Agora, Bäder und Stadion/ Gymnasion entspricht dem klassischen griechischen System. Besonders gut erhalten ist die riesige Wasserversorgung: Innerhalb der Mauern gab es kein Wasser, es wurde von einer Quelle außerhalb hineingeleitet, dort in verschiedene Leitungen verteilt und in einem riesigen Reservoir (33x22m) bereitgehalten, das direkt in den Fels gebaut war.

Was man außerdem noch eindrucksvoll sieht und erlebt: Das Ausgraben und Freilegen der alten Mauern und Gegenstände ist eine jahrelange regelrechte Sisyphus-Aufgabe; es sind Archäologen an der Arbeit, um den Besuchern immer weitere antike Schätze zugänglich zu machen. Und das gilt für zahlreiche antike Stätten in Griechenland.  

Außer den Archäologen in Plevrona ist uns auf dem riesigen Gelände nur noch eine Schildkröte begegnet.