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Um von Monemvasía aus in den Lakonischen Golf zu gelangen, muss man um das für seine unberechenbaren, oft starken Winde berüchtigte Kap Maleas nach Westen. Wir hatten das Kap bisher nur bei fast Windstille erlebt. Gisela wandert vorher wieder einmal um den Monemvasia-Fels, dann verabschieden uns von Mateo, der uns inzwischen richtig ans Herz gewachsen ist. 

Windstill ist es am Kap Maleas dann nicht, aber der Wind ist schwach. Also kein Stress. Wir können das Stück bis zur Insel Elafonisos schön segeln.

Bei stärkerem Westwind liegt man am besten in der Ormos Lefki vor Anker. Das machen wir, wie viele andere Segler auch. Die Bucht ist groß, aber sie wird richtig voll. Es ist für uns schwer, einen guten Ankerplatz zu finden, zumal der Grund von Felsen, die dünn mit Sand bedeckt sind, durchsetzt ist. Nicht nur wir müssen mehrere Versuche machen, bis der Anker wirklich hält. Und dann wird es ruhig, es gibt kaum Licht und wir sehen wieder unglaublich viele Sterne. Am nächsten Morgen wird die Bucht leer, wir aber bleiben. Es ist ein schöner Platz zum Ausruhen und Schwimmen. 

Nachdem wir einen Tag danach Elafonisos fast umrundet haben, steuern wir im Lakonischen Golf nordwärts. Wieder schöner Segelwind, nachmittags dreht er ja häufig auf Süd, das passt für uns. Die Bucht, in der wir dann den Anker fallen lassen, ist die  „Erzengel-Bucht“, Ormos Archangelos. Wunderschön, mit einem kleinen Dorf und einem Strand, Idylle pur. Nur der Wind bläst für ein paar Stunden noch heftig. Vom Dorf kommt leise Musik aus Dimitris Bar herüber, morgens Klassik, abends Blues. Ein britischer Katamaran liegt mit uns vor Anker. Am Abend findet das WM-Spiel England-Kroatien statt, das England gewinnt. Als die Briten am nächsten Morgen ihren Anker lichten, schallt von Dimitris Bar die englische Nationalhymne herüber, und die Briten stehen an Bord, winken und blasen ihr Horn. Einfach nett, auch das ist Europa.

Auch wir machen uns auf den Weg, wieder schönes Segeln, weiter nach Norden schräg über den Golf nach Gythio. Über den hohen Bergen (einer ist 2400m hoch) braut sich ein dickes Gewitter zusammen. Erst hoffen wir, dass es uns nicht erwischt, aber dann sind wir doch mittendrin, keine Sicht, Blitz und Donner direkt über uns. Motor an, Segel runter, es wird kalt und wir sind naß. Wir nehmen direkten Kurs auf den Hafen von Gythio, wissen aber, dass wir erst nach 18.00 Uhr hineinfahren dürfen. Ein Starclipper-Segler liegt vor dem Hafen vor Anker und wir müssen warten, bis alle Kreuzfahrtgäste mit den Tendern wieder an Bord gebracht wurden. Wir warten vor Anker, der Regen zieht ab und über den Golf spannt sich ein großer Regenbogen. Wow!

Dann laufen wir in den Hafen ein. Es gibt nur wenige Plätze, aber wir hatten Nikos, der uns einen Platz zuweist, am Tag vorher angerufen. Erst mal ein Ankerschluck, aber wir haben uns zu früh gefreut, unser Anker hält nicht, wir müssen nochmal aus unserer „Parklücke“ raus, neu ankern und einparken. Das klappt dann gut, die Kette ist stramm. Nur liegt sie nun vielleicht über der Kette von unserem Nachbarn. Das kommt vor. Hoffentlich gibt es beim Ablegen keine Probleme.  

Die gibt es dann am Abend auch nicht wirklich. Unser Nachbar legt ab, befreit sich von unserer Kette, was bei einem Katamaran nicht ganz einfach ist, und unser Anker hält weiter gut.

Am nächsten Tag müssen wir viele motoren. Erst gibt es schönen Νοrdwind, wir kommen damit ein Stück nach Süden. Dann müssen wir leider den Nanni anwerfen, um nach Porto Kagio kurz vor der Südspitze der Mani zu kommen. Hier liegen wir nun vor Anker, mit Wind vom Land und Schwell von See, nicht sehr gemütlich. Die Bucht füllt sich allmählich ich mit Booten und wir warten, dass der Schwell aufhört.  

Nach einer kurzen Pause in Nafplion kommen dort unsere Nachbarn Andrea und Axel für eine Woche an Bord. 2022 sind wir schon einmal mit ihnen gesegelt, damals in den Nördlichen Sporaden. Auch jetzt können wir wieder feststellen, dass alle Segel optimal getrimmt sind, wenn wir mit ihnen unterwegs sind. Wir sind von Nafplion aus auf dem Weg nach Süden im Argolischen Golf. Dabei ist vom Aufkreuzen gegen den Südwind bis zum konzentrierten Steuern mit achterlichem Wind und Bullenstander am Großsegel alles dabei. Wir haben keine großen Entfernungen, müssen wenig Strecke machen, bis wir in einer Woche in Monemvasia sein wollen. So können wir fast jeden Windhauch nutzen.

Nochmal nach Astros, wo wir schon vor einigen Tagen mit unserem vorherigen Besuch waren. Dann weiter in die Bucht von Kilada. Natürlich machen auch Andrea und Axel mit dem Schlauchboot einen Ausflug zur Franchthi-Höhle. Dann über den Golf nach Westen, nach Leonidi. Hier haben wir vor einigen Jahren längsseits liegend schon einmal eine unruhige Nacht mit viel Schwell verbracht. Aus Erfahrung wird man klug. Dieses Mal liegen wir mit Buganker und  Heck zur Pier. Von der Tavernen-Wirtin werden wir mit einer Tüte voll Obst begrüßt. Am Abend gehen wir dort zum Essen und lassen uns die rustikalen, leckeren Speisen schmecken.

Nächstes Ziel: Kiparissi. Auch diese gut geschützte Bucht mit dem netten kleinen Dorf kennen wir schon aus früheren Jahren. Die Bucht ist voller Boote, auch große Motoryachten (eine mit Hubschrauber) sind dabei. Wir sind erstaunt, wieviel Betrieb hier ist. So kennen wir Kiparissi bisher nicht. Wir legen uns in der Chapel Cove vor Anker. Hier ist es vergleichsweise ruhig. Es gibt wenig Licht, sodass wir am Abend einen grandiosen Sternenhimmel bewundern können. Das klare Wasser lockt zum Schwimmen. Dann wollen wir am nächsten Tag doch mal schauen, was im Dorf los ist, rudern mit dem Schlauchboot zur kleinen Pier an der Kapelle und wandern einen schönen Weg mit vielen Ausblicken auf unser Boot zum Dorf. Es ist Sonntag und Siesta, also nichts los.

So gönnen wir uns noch einen schönen Abend unter dem Sternenzelt und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg weiter nach Süden entlang der Küste in den Fjord von Gerakas. Wieder ein schöner Segeltag, bevor wir in Gerakas Port an der kleinen Pier anlegen. Auch hier ist viel los. Wir kaufen Wein vom Fass und sitzen zum Abendessen direkt an der Pier, so nah, dass wir beim Aufstehen aufpassen müssen, nicht ins Wasser zu fallen.

Ein schwacher achterlicher Wind schiebt uns am nächsten vor den Felsen von Monemvasia. Hier kennen wir Mateo von früheren Besuchen. Wir hatten ihm geschrieben, dass wir kommen und ein Foto vom Boot zur Erinnerung mitgeschickt. So steht er dann auch an der Pier und nimmt unsere Heckleinen an. Ein schönes Wiedersehen. Auch hier ist der Hafen voll und viele Boote ankern davor. Da der Kanal von Korinth wegen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen seit Oktober 2025 geschlossen ist, müssen die Boote, die aus dem Ionischen Meer in die Ägäis wollen und umgekehrt, um den Peloponnes herum. 

Am Abend laufen wir am Fels entlang zur Unterstadt und können, eingeladen von Andrea und Axel, ein sehr leckeres Abendessen mit Blick aufs Meer genießen. Es war ihr letzter Segeltag mit uns für dieses Jahr. Für uns eine tolle Zeit!

Aber wir haben noch einen besonderen letzten Tag zu viert: Wir fahren mit einem Leihauto durch die Berge nach Sparta und noch ein Stückchen weiter zu byzanthinischen mittelalterlichen Stadt Mystras. So eine große Anlage, steil an den Berg gebaut, hatten wir bisher noch nicht gesehen. Die steilen Wege hinaufzusteigen, hat uns viel Schweiß gekostet. Aber diesen Besuch mit so vielen tollen Ausblicken, auch ins Tal und in die Berge möchten wir nicht missen. In Sparta heißt es dann „Adios, Andrea und Axel, war sehr schön mit euch! Wir sehen uns bald zu Hause wieder.“ Die beiden fahren am nächsten Tag mit dem Bus nach Athen. Wir sind wieder in Monemvasia, ruhen uns etwas aus, waschen unsere Wäsche und bereiten uns auf die nächsten Etappen bis Kalamata vor.      

Bilder von Mystras

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Am 22. Mai kommen unsere Freunde Annegret und Andreas in Poros an Bord. Zehn Tage sind wir nun zu viert unterwegs, eine schöne Abwechslung. Kurze Strecken und meist schöner Segelwind machen die zehn Tage zu einer entspannten, abwechslungsreichen Zeit. Nur der erste Tag ist nass und etwas heftig. Wir umrunden die Insel Poros bei viel Regen und starkem Wind mit Dünung. Aber dann klart es auf und wir haben eine ruhige Ankernacht in der Ormos Soupia, ein Stück südwestlich von Poros. 

Nächstes Ziel: die unbewohnte kleine Insel Dokos. Hier gibt es auf der Nordseite eine große, gut geschützte Bucht, auf der Seekarte eigentlich als Sperrgebiet ausgewiesen. Als wir ankommen, liegen dort mehrere große Motoryachten. Na, dann können wir ja auch dort ankern. Am Abend, nachdem die großen Yachten ihre „Wasserspielzeuge“ eingepackt haben, wird es ruhig. Der Wind lässt nach, die Wasseroberfläche wird glatt und wir gehen zum ersten Mal in diesem Jahr vom Boot aus Schwimmen. Ist noch ganz schön kalt, das Wasser, dafür aber glasklar. 

Am nächsten Tag bringt uns ein schöner Ostwind nach Ermioni. Annegret als Neuling am Ruder bringt es nur mit Vorsegel und Besan auf 6,6 Knoten. Von da an haben wir eine gute Steuerfrau mehr an Bord. Aber auch Andreas steht in den nächsten Tagen immer wieder am Ruder und hält Kurs.

In Ermioni ist viel los. Auf der Nordseite sind die wenigen Plätze im Hafen belegt. In der Bucht wird eine Marina gebaut. 300 Plätze soll sie haben. Wir legen an der Südpier an. Die kennen wir schon. 2020, in unserem ersten Jahr mit Aglaya, waren wir zum ersten Mal hier. 

Nach einem schönen Spaziergang durch den Kiefernwald auf der Halbinsel geht es am nächsten Tag - wieder mit schönem Segelwind - weiter nach Porto Heli. In der großen Bucht könnten wir gut ankern, aber wir wollen mal etwas Luxus und eine warme Dusche. Daher hatten wir uns in der Marina angemeldet. Porto Heli ist zwar ein netter Ort, aber in der Marina ist es langweilig. So freuen wir uns auf unseren nächsten Ankerplatz.

In der sehr gut geschützten Bucht von Kilada legen wir uns direkt vor die prähistorische Franchthi-Höhle. Schon 20.000 Jahre B.C. haben hier Menschen gelebt. Da war der Meeresspiegel deutlich niedriger und die Menschen haben hier Vieh gehalten. Nun liegt die Höhle direkt am Meer. Natürlich machen wir mit dem Schlauchboot einen Ausflug dorthin. Unser neues Schlauchboot ist eigentlich nur für zwei Personen geeignet. Zu dritt war der Ausflug - auch wegen Wind und Welle - eine nasse und sportliche Angelegenheit. Am Abend und nachts ist die Höhle beleuchtet, ein toller Anblick.

An unserem Ankerplatz gefällt es uns so gut, dass wir noch einen weiteren Tag bleiben, schwimmen, lesen, die schöne Landschaft um uns herum anschauen und nachts natürlich den Sternenhimmel. Ganz hinten in der Bucht ist übrigens das große Boatyard von Basimakopoulos. Dort hat Aglaya den Winter 2022/2023 an Land verbracht.

Ein starker Südwind und Gewitterböen bringen uns am nächsten Tag auf die gegenüberliegende Seite des Argolischen Golfs nach Astros. Starke Böen von der Seite und eine hohe Dünung machen es uns unmöglich in dem kleinen Hafen mit Buganker und Heck zur Pier anzulegen. Gerade rückwärtsfahren ist unmöglich. So legen wir uns an einem etwas prekären Platz längsseits an die Pier. Mit Hilfe von anderen Seglern können wir uns dann doch ganz gut festmachen. Und wie meistens wird es am Abend wieder ruhig und wir können ganz entspannt in der besten Taverna von Astros Essen gehen.

Von der fränkischen Burgruine, die über Astros thront, hat man einen weiten Blick über der Golf und kann schon bis hinüber nach Nafplion sehen. Das ist unser nächstes Ziel. Leider müssen wir mangels Wind die zehn Seemeilen motoren. Als Entschädigung können wir über der spiegelglatten Wasseroberfläche fliegende Fische sehen. Im Hafen von Nafplion werden wir von zwei freundlichen Männern in orangefarbenen Westen begrüßt. Sie weisen uns einen Platz zu und nehmen unsere weißen Riesen an. Mit Wind von schräg hinten klappt auch die Rückwärtsfahrt an die Pier gut.

Nun liegen wir direkt unterhalb der venezianischen Festung Palamidi. Eine tolle Kulisse. Annegret und Andreas verbringen ihre letzte Nacht an Bord. Heute haben wir sie verabschiedet. Nun sind sie mit dem Bus unterwegs nach Athen. Wir hatten eine schöne, abwechslungsreiche und entspannte Zeit zusammen.

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In der Nacht, noch auf Kea an der Pier, bläst der Wind stark aus Nordnordwest und drückt starken Schwell in den Hafen. Auch unsere Nachbarn, eine Dreier-Flottille, schauen sich das am Μοrgen an. Kann man bei starken Windböen von der Seite gefahrlos ablegen, ohne mit der Schraube auf die Ankerkette vom Nachbarboot gedrückt zu werden? Wir wagen es als erste und es klappt so gerade. Schon im Hafen ist die Dünung so stark, dass Gisela nicht auf dem Boot herumläuft, um die Fender reinzuholen. Erst einmal ein Stück raus motoren, um zu schauen, wie heftig es wirklich ist mit Wind und Dünung. Und es wird wirklich heftig. So durchgeschüttelt wurde Aglaya mit uns noch nie. Der Bug taucht immer wieder ins Wasser ein, das Wasser steigt bis zur Scheuerleiste und große Brecher machen uns im Cockpit nass und salzen das ganze Boot ein. Aber Aglaya schlägt sich tapfer, ist einfach eine starke Lady, und wir sind auch tapfer und ausdauernd, denn so eine heftige und chaotische Dünung über einen ganzen Tag haben wir noch nie erlebt.

Wir sind auf dem Weg nach Poros im Saronischen Golf, gut 40 Seemeilen, lange Strecke. Das Steuern ist kräftezehrend, alle halbe Stunde lösen wir uns ab. Einmal beim Wechsel am Ruder verletzt sich Walter seinen Fuß. Die Wundversorgung muss bis zum Abend warten.

Als es vor Kap Sounion kurz etwas ruhiger wird, ziehen wir den Besan auf und ein Stück der Fock raus. Aber dann werden Wind und Dünung wieder stärker und wir können den Kurs nicht halten. So motoren wir das letzte Stück direkt auf die Südseite von Poros zu, um dort die Segel zu bergen. 

Wir haben den Ritt nach Poros geschafft, zehn Stunden waren wir unterwegs. Windy hatte 25 Knoten Wind vorhergesagt, wir hatten beständig zwischen 35 und knapp 40. In Poros ist die ganze Pier belegt. So legen wir uns in der Bucht vor Anker, genießen die Ruhe und den schönen Blick auf den Ort. Am nächsten Morgen gibt es Platz, wir legen uns an die Pier, räumen auf und putzen. Morgen kommen Annegret und Andreas mit der Fähre von Athen. Da soll Aglaya wieder glänzen.

Bilder von unterwegs haben wir nicht. Wir haben jeder beide Hände gebraucht, um zu steuern, uns festzuhalten und die Segel zu bedienen. Aber einen schönen Blick von unserem Ankerplatz, den haben wir natürlich.

Unbebaute Küste, sehr viele Windräder und nur zwei geschützte Häfen - das ist Euböa auf der gegen den Meltemi ungeschützten Ostseite. Aber da wir die geschützte Inside-Passage auf der Westseite schon kennen, wollen wir nun an der Ostseite entlang weiter nach Süden. Von der schönen und gastfreundlichen Insel Skyros ein langer Schlag nach Südwesten bringt uns bei Wind und Regen in den Fischerhafen Agioi Apostoloi. Hier kann man gut geschützt liegen, wenn man es schafft, anzulegen. Ein Fischer wies uns einen Platz zu, wollte unsere Leinen annehmen. Aber bei starken Windböen muss man ja dann die Leinen schnell festziehen. Unser Fischer aber macht in aller Seelenruhe trotz unserer Rufe erst einmal einen Knoten in die Vorleine. Da liegen wir schon im rechten Winkel mit dem Bug zur Pier. Nächster Versuch, mit dem selben Ergebnis. Beim dritten Mal klappt es dann. Ist gut, denn jetzt fängt es richtig an zu regnen. Wir verschnaufen unter Deck und können dann später vom Cockpit aus längere Zeit einen kompletten Regenbogen bestaunen. Alles wieder gut. Wir machen uns einen gemütlichen Abend an Bord.

Nächster Tag, nächste Etappe, zur Kykladeninsel Andros. Die kennen wir noch nicht, wollen dort einen Tag Pause machen und uns die Insel anschauen. Es kommt mal wieder anders: In unserem Wunschhafen Batsi ist zwar noch Platz für uns, aber bei starkem Seitenwind schaffen wir es nicht mit Buganker rückwärts an die Pier. Schade! Aber hadern hilft nicht. Wir motoren in den drei Seemeilen entfernten Fährhafen Gavrion. Ein Mann von der Hafenbehörde bedeutet uns, dass der Hafen voll ist. Es sieht hier auch gar nicht nett aus. Nächste Option: ankern. Und das ist oft gar nicht die schlechteste. Wir legen uns vor einem Strand vor Anker, sind hier ganz alleine. Wenig Licht von Land, viele Sterne am Himmel zu sehen, etwas Schwell, dann ruhige Nacht.

Am Morgen wecken uns starke Windböen. Etwas weniger als beständige 32 Knoten hätten uns für die nächste Etappe zur Insel Kea auch gereicht. Nur mit Besan und starker Dünung von hinten segeln wir die 25 Seemeilen, mit bis zu 6,4 Knoten Speed. Das Steuern ist anstrengend, aber mit einem Wechsel am Ruder alle halbe Stunde kommen wir gut in Korissia auf Kea an. Das Anlegen klappt hier trotz etwas Seitenwind gut. Noch nie haben wir nach dem Segel so viele Sachen unter Deck wieder eingeräumt. Da war vieles hin und her gerutscht und geflogen, aber es gab keinen Bruch.

Die Insel Kea kennen wir schon von vier Jahren. Hier liegen wir schön an der Pier. Und wir gönnen uns wieder einen Landtag, besuchen die Chora, sagen dem steinernen, schlafenden Löwen „Guten Tag, es ist schön, dich wiederzusehen!“. Wir finden ja, dass der Löwe nicht schläft, sondern lächelt. Wir schließen noch eine schöne Wanderung auf der Höhe mit Blick nach Andros, Euböa, und nach Süden Richtung Poros an. Da wollen wir morgen hin.  

Noch auf Thassos warten wir auf den passenden Wind, um nach Südwesten segeln zu können. Aber er kommt nicht. Im Gegenteil - es wir immer ruhiger. So entscheiden wir uns, den großen Schlag von 58 Seemeilen nach Chalkidike an die Südspitze des mittleren Fingers unter Motor zu machen.

Um kurz vor sieben geht es los, bei spiegelglatter See, ohne Dünung 30 Seemeilen immer auf den Berg Athos zu. Je näher wir kommen, desto beeindruckender ragt er vor uns auf. Wir sehen in den steilen Felsrinnen noch viele kleine Schneefelder und dann auch die vielen Klöster an den Felshängen. Anlegen oder ankern darf man hier nicht.

Wir passieren die Südspitze und nehmen dann Kurs auf die Südspitze von Sithonía, den mittleren Finger. Nachmittags um vier Uhr fahren wir in die Bucht von Porto Koufo ein. Wir kennen sie schon gut aus dem letzten Herbst. Die kleine Pier ist frei, also legen wir uns dort längsseits. Sehr angenehm. Aber dann informiert uns ein Einheimischer, dass sehr wahrscheinlich am Abend große Trawler kommen werden, um hier Fisch anzulanden. Denen wollen wir nicht in die Quere kommen. Also ankern wir in der Bucht. Eigentlich ist das viel schöner. Und tatsächlich: Bei einbrechender Dunkelheit kommt ein großerTrawler nach dem anderen. Wir zählen mindestens acht. Sie passen gar nicht alle an die Pier, müssen in der Bucht kreiseln bis wieder ein Platz frei wird. Am Morgen sind alle wieder weg.

Wir bleiben noch einen Tag, warten wieder auf den passenden Wind, legen uns tagsüber nochmal an die Pier und am Abend wieder vor Anker. Es könnten ja wieder Trawler kommen.

Aber dann geht‘s weiter nach Süden in die Nördlichen Sporaden nach Steni Vala auf der Insel Alonissos. Wieder ein recht langer Schlag. Und unterwegs immer wieder Delphine - viele kleine, aber auch große. Manche begleiten uns ein Stück, vielleicht in der Hoffnung, dass wir ihnen einen Fisch herüber werfen, oder einfach aus Spaß. 

Steni Vala ist eine kleine enge Bucht mit einer Pier. Im Jahr 2022 waren wir hier schon einmal mit unseren Freunden Andrea und Axel. Wir hatten es als idyllisch und gemütlich in Erinnerung. Und so ist es auch dieses Mal wieder. Der Inhaber vom Café Icarus hilft uns beim Anlegen und reicht uns dann eine lange Planke, da wir wegen der Steine direkt an der Pier mit unserem Heck nicht ganz nah heranfahren können. Nach einem kleinen Gewittersturm am Abend haben schlafen wir ruhig wie in Abrahams Schoß.

Der nächste Tag bringt uns wieder gut 40 Seemeilen weiter nach Süden zur Insel Skyros. Erst gar kein Wind mit Gewitterstimmung und dann gleich 25 Knoten stehen heute auf dem Wetterprogramm.

In Linaria, dem kleinen Fährhafen von Skyros machen wir ganz komfortabel an einer Muring fest. Der Hafenmeister erinnert sich, dass wir vor vier Jahren schon einmal für ein paar Tage hier waren und auf drei neue Servicebatterien gewartet hatten, die mit Bus und Fähre von Athen geliefert wurden. In dieser Zeit hatten wir die wunderschöne Insel mit Leihwagen und zu Fuß erkundet. Dieses Mal wollen wir nur zwei Nächte bleiben und einfach nur einen Ruhetag einlegen - und natürlich das Spektakel noch einmal erleben, wenn die Fähre abends einläuft und im Hafen „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß (gespielt von Eumir Deodato) erschallt.

Mit einem Tag Verspätung sind wir dann am 7. Mai am Nachmittag mit Aglaya wieder auf dem Wasser. Alle notwendigen Arbeiten sind erledigt. Sogar die Schraube hat dieses Mal einen Anstrich gegen Bewuchs erhalten. Und die Opferanode am Wassersammler wurde extra gedreht und gefeilt, weil sie so eine ungewöhnliche Form hat. Stavros hat für uns beim Chandler in Thessaloniki zwei neue Festmacherleinen besorgt. Wir hatten ihm gesagt, wie lang sie sein und welchen Durchmesser sie haben sollen. Wir hatten aber nicht gesagt, welche Farbe. Nun haben wir zwei „weiße Riesen“ an Bord. Ungewohnt. Aber sie werden nicht lange weiß bleiben.

Im Wasser in der Box am Travellift hat Vlad dann noch den Motorservice gemacht. Dabei stellten wir fest, dass die Starterbatterie schwächelt. Nicht gut schon zu Beginn der Saison. Wir durften über Nacht in der Box liegen bleiben und bekamen am nächsten Morgen eine neue Starterbatterie. Jetzt springt er wieder an wie eine Eins, unser Nanni.

Aber wir wollen ja segeln! Rüber auf die Südwestecke von Thassos,  nach Limenaria. Bei schwachem Wind geht das auch ganz gut, aber dann schläft der Wind ganz ein und es beginnt zu regnen. So motoren wir den Rest in den Hafen. Hier werden wir wieder von den schwarzen Katzen begrüßt, die wir schon von Oktober letzten Jahres kennen.