
Unbebaute Küste, sehr viele Windräder und nur zwei geschützte Häfen - das ist Euböa auf der gegen den Meltemi ungeschützten Ostseite. Aber da wir die geschützte Inside-Passage auf der Westseite schon kennen, wollen wir nun an der Ostseite entlang weiter nach Süden. Von der schönen und gastfreundlichen Insel Skyros ein langer Schlag nach Südwesten bringt uns bei Wind und Regen in den Fischerhafen Agioi Apostoloi. Hier kann man gut geschützt liegen, wenn man es schafft, anzulegen. Ein Fischer wies uns einen Platz zu, wollte unsere Leinen annehmen. Aber bei starken Windböen muss man ja dann die Leinen schnell festziehen. Unser Fischer aber macht in aller Seelenruhe trotz unserer Rufe erst einmal einen Knoten in die Vorleine. Da liegen wir schon im rechten Winkel mit dem Bug zur Pier. Nächster Versuch, mit dem selben Ergebnis. Beim dritten Mal klappt es dann. Ist gut, denn jetzt fängt es richtig an zu regnen. Wir verschnaufen unter Deck und können dann später vom Cockpit aus längere Zeit einen kompletten Regenbogen bestaunen. Alles wieder gut. Wir machen uns einen gemütlichen Abend an Bord.
Nächster Tag, nächste Etappe, zur Kykladeninsel Andros. Die kennen wir noch nicht, wollen dort einen Tag Pause machen und uns die Insel anschauen. Es kommt mal wieder anders: In unserem Wunschhafen Batsi ist zwar noch Platz für uns, aber bei starkem Seitenwind schaffen wir es nicht mit Buganker rückwärts an die Pier. Schade! Aber hadern hilft nicht. Wir motoren in den drei Seemeilen entfernten Fährhafen Gavrion. Ein Mann von der Hafenbehörde bedeutet uns, dass der Hafen voll ist. Es sieht hier auch gar nicht nett aus. Nächste Option: ankern. Und das ist oft gar nicht die schlechteste. Wir legen uns vor einem Strand vor Anker, sind hier ganz alleine. Wenig Licht von Land, viele Sterne am Himmel zu sehen, etwas Schwell, dann ruhige Nacht.
Am Morgen wecken uns starke Windböen. Etwas weniger als beständige 32 Knoten hätten uns für die nächste Etappe zur Insel Kea auch gereicht. Nur mit Besan und starker Dünung von hinten segeln wir die 25 Seemeilen, mit bis zu 6,4 Knoten Speed. Das Steuern ist anstrengend, aber mit einem Wechsel am Ruder alle halbe Stunde kommen wir gut in Korissia auf Kea an. Das Anlegen klappt hier trotz etwas Seitenwind gut. Noch nie haben wir nach dem Segel so viele Sachen unter Deck wieder eingeräumt. Da war vieles hin und her gerutscht und geflogen, aber es gab keinen Bruch.
Die Insel Kea kennen wir schon von vier Jahren. Hier liegen wir schön an der Pier. Und wir gönnen uns wieder einen Landtag, besuchen die Chora, sagen dem steinernen, schlafenden Löwen „Guten Tag, es ist schön, dich wiederzusehen!“. Wir finden ja, dass der Löwe nicht schläft, sondern lächelt. Wir schließen noch eine schöne Wanderung auf der Höhe mit Blick nach Andros, Euböa, und nach Süden Richtung Poros an. Da wollen wir morgen hin.

