Springe zum Inhalt

Leros hat viele Gesichter

Damit wir nicht nur die Marina kennenlernen, haben wir uns für einen Tag ein Auto geliehen, um die Insel zu erkunden. Wir sind erstaunt, wie schön die Insel ist, die von See aus so karg aussieht. Buchten, die sich auch zum Ankern gut eignen, schöne Badestrände. Und jeder Ort ist anders. Wir steigen von Agia Marina zum Kastro hinauf, schauen aus der Bucht von Pandeli zu den Windmühlen und besuchen die kleine Krabbenkirche im Süden der Insel. Sie ist direkt am Meer in den Fels hinein gebaut. Hier einige Bilder von unserer Inselrundtour:

Lakki, der größte Ort auf der Insel, an dessen Rand sich unsere Marina befindet, fällt architektonisch aus dem Rahmen. Die Italiener hatten von 1913 bis 1943 die Insel besetzt und Lakki als Militärstützpunkt genutzt. In dieser Zeit haben sie den Ort im Art Deco-Stil der 20er und 30er Jahre neu erbaut. Davon ist noch viel zu sehen. Allerdings sind nur wenige Gebäude gut erhalten.

Als wir über die Geschichte der Insel nachgelesen haben, waren wir betroffen davon, wie sie für verschiedene Zwecke immer wieder „mißbraucht“ wurde: Obwohl sich die Insel am griechischen Befreiungskampf beteiligt hatte, wurde sie wieder dem Osmanischen Reich zugesprochen. Nach dem italienisch-türkischen Krieg italienische Besatzung (die ganze Insel wurde zu einem Waffenlager), Militär- und Flottenstützpunkt der Italiener, Besatzung durch die Briten nach dem zweiten Weltkrieg. 1948 wurde sie in den griechischen Staat integriert.

Leros ist auch lange Zeit ein Verbannungsort gewesen: erst Leprastation, später während der Diktatur 1967-1974 Internierungslager für politisch Andersdenkende und Umerziehungslager für die Kinder von Kommunisten. 1957 wurde hier die größte psychiatrische Klinik Griechenlands eingerichtet, in der Menschen unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt waren. Ab den 80er Jahren setzte sich die EU für qualifizierte Behandlungsmethoden ein.

Seit 2008 gibt es auf Leros ein Lager für geflüchtete Menschen, viele Jahre war es überfüllt. Jetzt wohl nicht mehr. Und heute? Wir können das Lager von unserem Bootsliegeplatz aus sehen. Es ist eingezäunt und nachts hell erleuchtet. Wir finden keine Informationen darüber. In der Stadt sehen wir keine Flüchtlinge. Von den Touristen soll sie offensichtlich fern gehalten werden. Aber sie sind trotzdem da. Und was tut die EU?

Es gibt eben nicht nur das Segeln, schöne Buchten und pittoreske Dörfer. Leros hat viele Gesichter, nicht nur schöne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.