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Rufende Männer und krähende Hähne

Wäre es nicht so warm, könnte man meinen, wir wären in Norwegen.

Ein kleines Dorf mit Hafen, zwei Windräder, alte Windmühlen, schöne Buchten mit Sandstrand, schroffe Felsküste und unzählige Kirchen und Kapellen - wir sind auf der kleinen Insel Psara. Sie liegt etwa 15 Seemeilen westlich von Chios. Die Türkei ist auch nicht weit. 

Mit einer einwandfrei funktionierenden Elektrik (dank der neuen Batterien) sind wir 57 Seemeilen mit Kurs Ostsüdost von Skyros herüber gekommen. Hier liegen wir längsseits an der Pier (später auch im Päckchen). Direkt vor unseren Augen spielt sich das Dorfleben ab. Fischer sortieren ihre Netze, der Gehweg zum Fähranleger wird weiß gestrichen, während der Siesta trinkt man im Schatten Kaffee und wenn die Fähre von Chios herüber kommt, herrscht große Betriebsamkeit. Alles ein bisschen verschlafen, wie es zu so einer kleinen Insel gut passt, aber durchaus nicht leise. Vor allem die Männer kommunizieren durch Rufen, von Haus zu Haus, vom Kafenion zum Fischerboot … Und in der Ferne hört man immer mindestens einen Hahn krähen. Das ist der Soundtrack von Psara. Wir finden es hier sehr gemütlich. 

Genug Bewegung können wir uns hier auch verschaffen. Eine Tafel mit einer Karte von der Insel zeigt uns verschiedene Wanderwege. Als Segler wandern wir natürlich zum Leuchtturm, treffen unterwegs auf scheue Ziegen, die wie in den Alpen die Gämsen hoch oben auf Felsbrocken stehen. Die Felsbrocken sind interessant - mal ist es Schiefer, mal ist es Marmor. Es wirkt, als hätte ein Riese sie in die Landschaft geworfen.   

Die Menschen auf der Insel haben in ihrer Geschichte, die in der Zeit von Mykene begann, schwere Schicksalschläge erlitten. Es gab Zeiten, in denen die Bevölkerung vertrieben wurde, neue Siedler kamen dann, zum Beispiel von Euböa. Als Psara sich am Befreiungskampf gegen die Osmanen beteiligte, brachten diese aus Rache 1824 einen großen Teil der Inselbevölkerung um, der Rest wurde in die Sklaverei verschleppt. Davon zeugen die von einem Streetart-Künstler anlässlich des 200jährigen Jubiläums geschaffenen Gemälde auf der Hafenpier. Zusammen mit der Stadt Messolongi auf dem Festland, wird Psara als bedeutendste Heldenstadt im Befreiungskampf der Griechen, der 1821 begann, verehrt.

Jetzt bläst ein starker Südwind. Da bleiben wir noch einen weiteren Tag. Zeit zum Lesen und zum Gitarre spielen.

Hier noch ein paar Bilder.

Ein Gedanke zu „Rufende Männer und krähende Hähne

  1. Fritz

    Hallo Gisela und Walter,
    das sind wieder mal traumhafte Bilder. Und eine sehr interessante Beschreibung. Diesen Teil der Welt kenn ich überhaupt nicht.

    Weiterhin guten Wind und tolle Segeltörns.

    Liebe Grüße Fritz

    Antworten

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